KIM: Sichere E-Mail im Medizinwesen erklärt

Das Faxgerät in Arztpraxen hat ausgedient — zumindest nach dem Willen des Gesetzgebers. KIM (Kommunikation im Medizinwesen) ist der offizielle Nachfolger: ein sicherer, verschlüsselter E-Mail-Dienst für alle Akteure im deutschen Gesundheitswesen. Für Berliner Arztpraxen ist KIM längst keine Option mehr, sondern Pflicht.

Was ist KIM und wie funktioniert es?

KIM ist ein TI-basierter Kommunikationsdienst, der sichere Ende-zu-Ende-verschlüsselte Nachrichten zwischen Praxen, Kliniken, Apotheken und Krankenkassen ermöglicht. Technisch funktioniert KIM wie eine normale E-Mail — der Unterschied liegt in der Verschlüsselung und Authentifizierung: Jeder KIM-Teilnehmer ist über seine TI-Identität eindeutig verifiziert.

Für Berliner Arztpraxen ist KIM in mehreren Bereichen bereits verpflichtend:

  • Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU): Die Übermittlung der eAU an Krankenkassen erfolgt über KIM.
  • Arztbriefe: Der digitale Arztbrief zwischen Praxen und in die Klinik wird über KIM versendet.
  • ePA-Kommunikation: Bestimmte ePA-bezogene Nachrichten laufen über KIM.
  • Laborbefunde: Labore, die an die TI angeschlossen sind, übermitteln Befunde zunehmend per KIM.

Technisch benötigen Sie für KIM: einen TI-Konnektor, eine aktuelle Praxissoftware mit KIM-Modul sowie einen KIM-Anbieter (z.B. KV-Pur, ATOS, Arvato Health Solutions). Ihr KIM-Postfach wird direkt in Ihre Praxissoftware integriert.

KIM richtig einrichten und nutzen

Die Einrichtung von KIM sollte von einem erfahrenen TI-Dienstleister durchgeführt werden. Die Schritte im Überblick:

  • KIM-Anbieter auswählen: Die KV Berlin empfiehlt bestimmte Anbieter und bietet teils Sonderkonditionen. Vergleichen Sie die monatlichen Kosten (typisch: 5–15 €/Monat).
  • Registrierung und Zertifikat: Nach der Registrierung erhalten Sie ein KIM-Zertifikat, das an Ihre TI-Identität gebunden ist.
  • Integration in die PVS: Ihr Praxissoftware-Anbieter aktiviert das KIM-Modul. Anschließend können Sie KIM-Nachrichten direkt aus Ihrer PVS versenden und empfangen.
  • Team schulen: Alle Mitarbeiter, die Befunde oder Arztbriefe versenden, müssen mit dem KIM-Postfach vertraut sein.

Ein häufiges Missverständnis: KIM ist kein Ersatz für normale E-Mails an Patienten. Für die Kommunikation mit Patienten gelten weiterhin andere Regeln (sichere Verschlüsselung, Einwilligung). KIM ist das interne Kommunikationsnetz des Gesundheitswesens — Praxis zu Praxis, Praxis zu Klinik, Praxis zu Kasse.

Berliner Arztpraxen, die KIM noch nicht vollständig in ihren Workflow integriert haben, sollten dies jetzt nachholen. Die Abrechnung der eAU über KIM ist seit 2023 Pflicht — fehlende Funktionalität bedeutet Mehraufwand und Risiko.

Haben Sie Fragen zu IT oder Datenschutz in Ihrer Praxis? Nehmen Sie Kontakt auf — wir beraten Berliner Arztpraxen kostenlos und unverbindlich.

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