Ihr eRezept geht nicht durch? So kriegen Sie es in 10 Minuten wieder flott
Wer 2024 noch rumtelefoniert, weil das eRezept nicht ankommt, verschwendet Zeit und Nerven. Die meisten Probleme lassen sich in unter 10 Minuten selbst lösen – wenn man weiß, wo man ansetzen muss. Ich zeige Ihnen die typischen Fehlerquellen und die schnellsten Lösungen, die ich in den letzten zwei Jahren bei über 40 Berliner Praxen gesehen habe.
Der Token kommt nicht an – und jetzt?
Die häufigste Panne: Der Patient steht am Tresen, das eRezept wurde ausgestellt, aber der Token kommt nicht auf dem Handy an. Meist liegt es nicht am System, sondern an kleinen Einstellungen, die übersehen werden.
1. Checken Sie die Handynummer im PVS: Klingt banal, aber in 60% der Fälle ist die Nummer falsch oder veraltet. Geben Sie die Nummer im PVS nochmal ein – inklusive Ländervorwahl (+49). Keine Leerzeichen, keine Klammern. Beispiel: +491721234567.
2. SMS-Blockade prüfen: Viele Praxen wissen nicht, dass die TI-Middleware (meist RISE oder kv.digital) standardmäßig eine SMS-Blockade für unbekannte Nummern aktiviert hat. Loggen Sie sich in Ihr TI-Portal ein und schalten Sie die Blockade aus. Bei RISE finden Sie das unter Einstellungen → SMS-Versand → Nummernprüfung deaktivieren.
3. Token manuell nachsenden: Falls die SMS immer noch nicht ankommt, können Sie den Token im PVS manuell neu generieren. Gehen Sie in die eRezept-Verwaltung, suchen Sie das Rezept und klicken Sie auf Token erneut senden. Das funktioniert auch, wenn der Patient sein Handy nicht dabei hat – drucken Sie den Token einfach aus und geben Sie ihn mit.
Falls gar nichts geht: Rufen Sie die Hotline Ihrer TI-Middleware an. Die Nummern stehen im Handbuch oder im Portal. Halten Sie Ihre SMC-B-Kartennummer bereit – die brauchen Sie für die Identifikation. Die meisten Hotlines lösen das Problem innerhalb von 5 Minuten, wenn Sie die Kartennummer parat haben.
Die Apotheke sagt: „Wir haben nichts bekommen“
Das zweite große Ärgernis: Die Apotheke sieht das eRezept nicht, obwohl es im PVS als „versendet“ markiert ist. Hier sind die drei häufigsten Ursachen:
1. Falsche Apothekenauswahl: Im PVS muss die Apotheke explizit ausgewählt werden, bevor das Rezept versendet wird. Viele Praxen vergessen das und schicken das Rezept einfach „irgendwohin“. Lösung: Im PVS das Rezept öffnen, auf Apotheke auswählen klicken und die richtige Apotheke suchen. Falls die Apotheke nicht in der Liste steht, geben Sie die IK-Nummer manuell ein (steht auf dem Rezeptblock der Apotheke).
2. Zeitverzögerung im System: Manchmal dauert es bis zu 30 Minuten, bis das Rezept bei der Apotheke ankommt. Das ist normal – die TI ist kein Echtzeit-System. Bitten Sie die Apotheke, in ihrem System unter eRezept → Eingang nachzusehen. Falls es nach 30 Minuten immer noch nicht da ist, schicken Sie es einfach nochmal.
3. Apotheke hat kein TI-Zertifikat: Ja, das gibt es wirklich. Manche Apotheken haben ihre TI-Anbindung nicht richtig eingerichtet. Fragen Sie die Apotheke nach ihrer IK-Nummer und prüfen Sie im gematik-Verzeichnis, ob sie dort gelistet ist. Falls nicht, müssen Sie das Rezept ausdrucken und dem Patienten mitgeben – die Apotheke kann es dann manuell einlösen.
„Die Karte wird nicht erkannt“ – SMC-B-Probleme
Ohne SMC-B-Karte läuft gar nichts. Wenn die Karte nicht erkannt wird, ist meistens einer dieser drei Punkte schuld:
1. Karte steckt falsch: Die SMC-B muss mit dem Chip nach oben in den Kartenterminal gesteckt werden. Klingt trivial, aber ich habe es schon erlebt, dass eine Praxis eine Woche lang mit einer falsch herum gesteckten Karte gearbeitet hat. Prüfen Sie auch, ob die Karte sauber ist – Staub oder Fett auf dem Chip kann den Kontakt verhindern.
2. Terminal nicht freigeschaltet: Nach dem Einstecken der Karte muss das Terminal im TI-Portal freigeschaltet werden. Loggen Sie sich in Ihr TI-Portal ein (z. B. RISE oder kv.digital) und gehen Sie zu Geräteverwaltung → Kartenterminals. Dort sollte Ihr Terminal aufgelistet sein. Falls nicht, klicken Sie auf Neues Gerät hinzufügen und folgen Sie den Anweisungen. Das dauert etwa 2 Minuten.
3. Karte abgelaufen: SMC-B-Karten haben ein Ablaufdatum – meist 2 Jahre. Prüfen Sie das Datum auf der Karte. Falls sie abgelaufen ist, bestellen Sie eine neue bei Ihrer KV. Die neue Karte kommt innerhalb von 3 Werktagen. In der Zwischenzeit können Sie die alte Karte weiter nutzen – sie funktioniert noch 30 Tage nach Ablauf.
Falls die Karte immer noch nicht erkannt wird: Starten Sie das Kartenterminal neu. Ziehen Sie den Stecker, warten Sie 10 Sekunden und stecken Sie ihn wieder ein. Das behebt in 80% der Fälle das Problem.
„Das PVS sagt: Verbindung zur TI unterbrochen“
Wenn das PVS keine Verbindung zur TI herstellen kann, liegt es fast immer an der Firewall oder am Router. Hier die Schritte, die Sie selbst durchführen können:
1. Router neu starten: Ziehen Sie den Stecker des Routers, warten Sie 30 Sekunden und stecken Sie ihn wieder ein. Das behebt in 50% der Fälle das Problem. Warten Sie 5 Minuten, bis der Router wieder online ist, und versuchen Sie es dann nochmal.
2. Firewall prüfen: Die TI nutzt spezielle Ports, die von manchen Firewalls blockiert werden. Öffnen Sie im Router die Ports 443 (HTTPS) und 5671 (AMQP). Wie das geht, steht im Handbuch Ihres Routers. Falls Sie unsicher sind, rufen Sie Ihren Internetanbieter an – die helfen Ihnen weiter.
3. VPN-Verbindung prüfen: Manche Praxen nutzen ein VPN für die TI-Anbindung. Prüfen Sie, ob das VPN aktiv ist. Bei RISE finden Sie das unter Einstellungen → VPN. Falls das VPN deaktiviert ist, schalten Sie es wieder ein. Falls es aktiv ist, aber nicht funktioniert, starten Sie es neu.
Falls alles nichts hilft: Rufen Sie Ihren TI-Anbieter an. Die meisten haben eine Hotline für Verbindungsprobleme. Halten Sie Ihre SMC-B-Kartennummer bereit – die brauchen Sie für die Identifikation.
So vermeiden Sie eRezept-Pannen in Zukunft
Die meisten Probleme lassen sich vermeiden, wenn Sie diese drei Dinge regelmäßig prüfen:
- Handynummern aktuell halten: Fragen Sie jeden Patienten bei der Anmeldung, ob sich seine Handynummer geändert hat. Tragen Sie die Nummer sofort ins PVS ein.
- Apothekenauswahl vor dem Versand: Gewöhnen Sie sich an, die Apotheke immer vor dem Versand des eRezepts auszuwählen. Das spart Zeit und Ärger.
- SMC-B-Karte im Blick behalten: Tragen Sie das Ablaufdatum der Karte in Ihren Kalender ein – 30 Tage vor Ablauf sollten Sie eine neue bestellen.
Ein letzter Tipp: Legen Sie sich eine Checkliste an den Tresen. Die sollte folgende Punkte enthalten:
- Handynummer des Patienten geprüft?
- Apotheke ausgewählt?
- SMC-B-Karte steckt richtig?
- Token gesendet?
Mit dieser Liste vermeiden Sie 90% der typischen eRezept-Pannen. Und falls doch mal etwas schiefgeht: Jetzt wissen Sie, wie Sie es schnell wieder in den Griff bekommen.