TI-Messenger ab 2026: Drei Dinge, die Ihre Praxis jetzt erledigen muss
62 Prozent der Berliner Arztpraxen nutzen 2025 noch Fax oder E-Mail für die Kommunikation mit Kollegen und Krankenhäusern. Das wird teuer: Ab 1. Januar 2026 schreibt die Gematik den TI-Messenger vor. Wer dann noch unverschlüsselte Kanäle nutzt, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern auch Datenpannen – und die kosten im Schnitt 12.000 Euro pro Vorfall. Zeit, die Sache anzupacken.
Was sich 2026 wirklich ändert
Die Gematik hat klare Fristen gesetzt: Ab 2026 muss jede Praxis den TI-Messenger für die Kommunikation mit anderen Leistungserbringern nutzen. Das betrifft vor allem:
- Arztbriefe und Befunde an Kollegen
- Überweisungen an Fachärzte
- Entlassbriefe von Krankenhäusern
- Reha- und Pflegeberichte
Was viele nicht wissen: Der TI-Messenger ist keine neue Software, sondern eine zusätzliche Funktion in Ihrem PVS. Die meisten Hersteller wie CGM, medatixx oder TurboMed haben die Integration bereits umgesetzt oder arbeiten daran. Der Haken? Die Praxis muss den Messenger aktiv freischalten – und das geht nicht von heute auf morgen.
Ein Beispiel aus Neukölln: Eine Hausarztpraxis mit fünf Mitarbeitern hat im März 2025 den TI-Messenger eingerichtet. Der Prozess dauerte drei Wochen, weil die SMC-B-Karte nicht richtig erkannt wurde und der Support des PVS-Herstellers erst nach fünf Tagen reagierte. Die Praxis hat daraus gelernt: Wer bis November 2025 wartet, steht im Dezember im Stau.
Drei Dinge, die Sie jetzt erledigen müssen
1. Prüfen, ob Ihr PVS den TI-Messenger schon kann
Rufen Sie Ihren PVS-Hersteller an und fragen Sie konkret:
- „Ist der TI-Messenger in unserer Version bereits integriert?“
- „Brauchen wir ein Update oder eine neue Lizenz?“
- „Wie lange dauert die Freischaltung?“
Falls Ihr System noch nicht bereit ist, sollten Sie spätestens im September 2025 ein Update einplanen. Die meisten Hersteller bieten die Integration kostenlos an, aber manche verlangen eine einmalige Gebühr von 150 bis 300 Euro.
2. SMC-B-Karte und Konnektor checken
Ohne gültige SMC-B-Karte läuft nichts. Prüfen Sie:
- Ist die Karte noch gültig? (Laufzeit steht auf der Karte)
- Funktioniert der Konnektor? (Einfach mal den TI-Dienst aufrufen)
- Ist die Karte im Kartenterminal richtig eingesteckt?
Falls die Karte abgelaufen ist, bestellen Sie rechtzeitig eine neue. Die Bearbeitung dauert bei der Gematik aktuell vier bis sechs Wochen. Und ja, das kostet Geld: Rund 200 Euro für eine neue Karte. Aber besser jetzt zahlen als später ein Bußgeld riskieren.
3. MFA schulen – bevor der Stress losgeht
Der TI-Messenger ist einfach zu bedienen, aber Ihre Mitarbeiter müssen wissen, wie er funktioniert. Planen Sie eine kurze Schulung ein – am besten direkt am Empfangstresen. Wichtige Punkte:
- Wie schicke ich eine Nachricht?
- Wie empfange ich eine Nachricht?
- Wie speichere ich Dokumente aus dem Messenger im PVS?
- Was tun, wenn eine Nachricht nicht ankommt?
Eine Praxis in Pankow hat ihre MFA in einer einstündigen Session geschult. Das Ergebnis: Seitdem läuft die Kommunikation mit dem Krankenhaus reibungslos, und die Praxis spart täglich 30 Minuten Fax-Zeit.
Was Sie getrost vergessen können
Es gibt ein paar Mythen rund um den TI-Messenger, die Sie ignorieren können:
- „Der TI-Messenger ersetzt mein PVS.“ – Falsch. Er ist nur ein Kommunikationskanal, keine Praxissoftware.
- „Ich brauche einen neuen Konnektor.“ – Meistens nicht. Die meisten Konnektoren ab 2020 unterstützen den Messenger.
- „Die Einrichtung dauert Wochen.“ – Mit Vorbereitung geht es in ein bis zwei Tagen.
Und noch etwas: Der TI-Messenger ist nicht perfekt. Es wird Anfang 2026 sicherlich Kinderkrankheiten geben – Serverausfälle, langsame Verbindungen, vielleicht sogar verlorene Nachrichten. Aber das ist kein Grund, die Sache aufzuschieben. Wer jetzt startet, hat genug Zeit, um sich einzugewöhnen und Probleme zu lösen, bevor die Gematik kontrolliert.
So gehen Sie vor – nächste Woche
1. Montag: Rufen Sie Ihren PVS-Hersteller an und klären Sie den Stand der Integration.
2. Dienstag: Prüfen Sie die SMC-B-Karte und den Konnektor. Falls nötig, bestellen Sie eine neue Karte.
3. Mittwoch: Planen Sie eine Schulung für Ihre MFA ein – am besten mit einem Kollegen, der den Messenger schon nutzt.
4. Donnerstag: Testen Sie den Messenger mit einer kleinen Nachricht an eine Partnerpraxis oder ein Labor.
5. Freitag: Dokumentieren Sie den Prozess – für die QM und für den Fall, dass die Gematik nachfragt.
Das war’s. Kein Hexenwerk, aber auch keine Sache, die man nebenbei erledigen kann. Wer jetzt handelt, spart sich später Ärger – und vielleicht sogar ein Bußgeld.